Episode 28 (393-424) (249-269)

Am nächsten Tag, der desertierte Slothrop auf dem Weg von Monaco nach Nizza und schließlich nach Zürich. Was hat Imipolex G damit zu tun, dass die Rakete ihn findet und woher bekommt er Informationen darüber? Was sagt uns der 3. Sinnspruch für Paranoiker, wenn jede beantwortete Frage nur zu neuen Fragen führt?


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Imipolex G

"Imipolex G hat sich als nichts Geheimnisvolleres erwiesen als ein neuer Kunststoff, nicht mehr, nicht weniger: ein aromatisches, heterozyklisches Polymer, das 1939, Jahre vor seiner Zeit, von einem L. Jamf für die I.G. Farben entwickelt worden ist. Es zeichnet sich durch Formbeständigkeit bei hohen Temperaturen aus, bis hinauf zu 900 Grad Celsius, und vereint hohe Festigkeit mit einem niedrigen elektrischen Verlustfaktor. Strukturell besteht es aus vernetzten Ketten von Benzolringen, Sechsecken wie jenem goldenen über Hilary Bounces Bauch, die hier und da mit dem alternieren, was man heterozyklische Ringe nennt." (393)

Information

Slothrop im Hotel Nimbus in Zürich im Gespräch mit dem Russen Semjawin, der in Slothrop einen Schockwellenreiter sieht:

"Das erste, was du hier kapieren mußt, ist die Art und Weise, wie alles spezialisiert ist. Wenn du Uhren brauchst, gehst du in das eine Café; dreht sich’s um Frauen, gehst du in ein anderes. Pelze sind unterteilt in Zobel, Hermelin, Nerz. Bei Drogen genauso: Stimulantien, Depressiva, Psychomimetika . . . Hinter was bist du her?"
"Äh, Informationen?" (…)
"Oh. Wieder einer." Er wirft Slothrop einen mürrischen Blick zu. "Vor dem Krieg war das Leben einfach. Du kannst dich natürlich nicht erinnern. Drogen, Sex und Luxusartikel. Währungen waren nur ein Nebengeschäft, und der Begriff `Industriespionage´ war unbekannt. Ich habe miterlebt, wie es anders geworden ist — wie sehr es anders geworden ist. Die Inflation in Deutschland hätte mich warnen müssen, eine Kette von Nullen von Berlin bis hierher. Ich habe mir gut zugeredet: `Semjawin, es ist nur eine vorübergehende Abweichung von der Wirklichkeit, ein kleiner Fehltritt, kein Grund, dich aufzuregen. Mach weiter wie bisher, mit festem Charakter und mit klarem Kopf. Mut, Semjawin! Bald geht alles wieder den normalen Gang´ Aber soll ich dir mal was verraten?"
"Bin gespannt."
Ein tragikerfüllter Seufzer. "Information . . . Was ist denn faul an Drogen und Weibern? Ist es ein Wunder, daß die Welt verrückt geworden ist, wenn Information das letzte gültige Tauschobjekt darstellt?"
"Ich dachte, das wärn Zigaretten?"
"Du träumst." Er zieht eine Liste von Zürcher Cafés und Treffpunkten heraus. Unter Spionage, industrielle, findet Slothrop drei Adressen. Das Ultra, das Lichtspiel und das Sträggeli. Sie liegen weit auseinander, auf beiden Ufern der Limmat.
"Beinarbeit."
"Das wird leichter. Eines Tages machen es Maschinen. Informationsmaschinen. Du bist die Bugwelle der Zukunft."
(406–407)

Sinnsprüche für Paranoiker, 3

Proverbs for Paranoids, 3: If they can get you asking the wrong questions, they don’t have to worry about answers.

Sinnsprüche für Paranoiker, 3: Wem es gelingt, dir falsche Fragen einzureden, dem braucht auch vor der Antwort nicht zu bangen. (251/397)

Es ist schon beängstigend, wie Pynchon sowohl das Internet und in der Figur des Semjawin die Suchmaschine vorhersieht, nicht wahr!

Episode 27 Episode 29

I Beyond the Zero II Un Perm’ au Casino Hermann Goering III In the Zone IV The Counterforce

Index Hauptseite Vorwort Die Parabel Dekonstruktion Michael D. Bell Summary Biographie Richard Fariña Robert Frost Galerie Literatur Luddism Monographien u. Aufsätze Patterns–Muster Proverbs for Paranoids Schweine Soccer Weblinks The Wizard of Oz Fay Wray The Zero Homepage Page up/Seitenanfang

Professor Irwin Corey Accepts the National Book Award for Thomas Pynchon
Charles Hollander: Pynchon’s Inferno
Douglas Kløvedal Lannark: Paperware to Vaporware, The Nativity of Tyrone Slothrop
Douglas Kløvedal Lannark: Mason & Dixon: Astrological Review

© Otto Sell – Monday, June 26, 2000
Last update Thursday, August 21, 2008

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